Oldtimer trifft Neuauflage

Oh GIULIA!

Alfa Romeo Giulia Super vs. Quadrifoglio

Wenige Autos können auf eine so honorige Ahnengalerie zurückblicken wie die Giulia von Alfa Romeo. Aus Vaters erstem heißen Reifen von dereinst wurde ein Vollblut- Sportwagen auf dem Weg in die automobile Oberklasse. Nur mit mehr Stil.

A

lfa Romeo Giulia. Nicht umsonst haben diese drei Worte einen besonderen Klang, den übrigens nicht nur einge- fleischte Automobilisten als solchen wahrnehmen. Im Gegenteil: selbst Menschen wie meine Mutter, also ohne Führerschein oder jegliche Affinität zu irgendetwas automobilem, vermuteten hinter dem Namen Alfa Romeo Gi-ulia etwas besonderes. Teures.

Edles. Etwas, das man nicht alle Tage sieht. Obwohl die alte Giulia durchaus zum Straßenbild gehörte. In Italien, klarerweise. Aber auch in Österreich und sogar ein wenig in Deutschland (remember Matula!), wo man sein Auto etwas über sich aussagen lässt. Eine Giulia fuhren jedenfalls nur coole Hunde. In Italien hatte auch die Polizei Giulias. Mit verstärkten, nur im Polizeibetrieb er- hältlichen Motoren. Extra für die Exekutive hatte man den feinen, weil aggressiven und trotzdem braven Doppelnockenwellen- Zweiliter auf ein höheres Drehmoment frisiert und statt dem üblichen Viergang-Getriebe ein extrakurzes Fünfganggetriebe ver- baut, auf dass die Gangsterjagd in den engen Gassen Mailands, Roms oder Catanias reibungsloser gelänge (eine Tradition, die man übrigens später auch bei den legendären Alfettas fortsetzte). Dass derlei ganz nebenbei auch den Sound aufmöbelte, war eine ange- nehme Nebenerscheinung, wenn man nichts am Kerbholz hatte. Im Gemisch mit der ganz und gar unmusikalischen Polizeisirene erzeugte dies einen durchaus familiären Sound für uns Italienurlauber der frühen Siebzigerjahre. Die neue Giulia wird es wohl eher selten in den italienischen Polizeibetrieb schaffen. Und eher gar nicht in der fetten Quadrifoglio-Variante mit 510 PS. Warum auch - Gauner fahren heutzutage selbst in Italien keine Fiat Pandas oder Regattas mehr. Zwar weiß man vereinzelt von Lamborghi- nis mit weißblauer Polizia-Lackierung auf den diversen Autostradas, selbst gesehen hat man sowas aber noch nicht (die italieni- sche Polizei wird von Alfa übrigens weiterhin aus- gestattet, allerdings mit der nicht minder feinen Giulietta in der Diesel-Variante mit 240 PS).Klar also, wer in unserem schmackhaften Zweiergespann hier oben den Gangster gibt und wer die Polizei. Von grünen

Polizeiautos in italienischen Diensten ist uns zwar landläufig nichts bekannt, aber darum gehts hier nur peripher - schließ- lich sitzt in der bösen, neuen Giulia auch kein schwerer Junge mit Mafia-Ambitionen, sondern eine kesse Blondine mit zu schwerem Gasfuß. Im Vorfeld des Gaißbergrennens, wo die grü- ne Giulia von Pappas-CEO Friedrich Lixl und dem Besitzer des Autos, dem Salzburger Sammler und Italo-Auto-Enhusiasten Andreas Kaufmann zur Verfügung gestellt wurde, entstanden diese netten "Jagdbilder" im Salzkammergut, in deren Rahmen alle Beteiligten an Eides statt schwören, niemals oder wenn, dann nur ganz kurzirgendwelche StVO-Regeln gebrochen zu ha- ben ... Die schöne Giulia, stilecht mit Telefonanlage, Blaulicht und Sirene ausgestattet, hat das feine Baujahr 1971, gehört da- mit einer der letzten Generationen im vollen Chrom-Ornat an, bevor die Giulia Nuova die letzten Chargen des bis 1976 produ- zierten Klassikers brachte. Auch im Inneren herrscht Chrom in Hülle und Fülle vor, das Lenkrad ist riesig und standegemäß mit Edelholzkranz umfasst, die Armaturen haben ein Format, das der Drehzahl eines Motors noch jene Wichtigkeit einräumt,

die in den Siebziger Jahren standesgemäß war und Schaltung wie Motoransprechen funktionieren noch immer so, als wäre der Wagen vorgestern vom Band gelaufen. Die Optik ist origi- nal, das Blaulicht und die Sirene sind funktionstüchtig. Ebenso wie die Polizeiuniform, die Comissario Lixl um ein paar Details wie das weiße Lederband und die schweren Reiterstiefel stil- echt ergänzte. So war es für unsere Blondine auch keine echte Strafe, zu einem "Caffé" mit dem Inspektor verurteilt zu wer- den. Man parlierte über Fahrwerte und Beschleunigungsfee- ling, beschwor feierlich, das Schnellfahren sein zu lassen und bewunderte den in Ehren ergrauten Polizeiwagen.

Ein Capuccino mit dem HerrnIn- spektor? Da sahen wir schon schlimmere Strafen für gele- gen- tliches Schnellfahren ...


Comissario Friedrich Lixl lässt sich von der Temposünderin den Quadrifoglio erklären.